12.01.2012

Der MBTI als Tool im Executive Coaching

Der MBTI hat sich in vielen Bereichen der Personal- und Persönlichkeitsentwicklung als sehr hilfreich, gut verständlich und nützlich erwiesen. Speziell im Bereich der Führungskräfteentwicklung dient er als wichtiges Instrument, um Führungskräften mehr Verständnis über sich selbst als auch über die zu führenden Mitarbeiter zu geben. 

In diesem Artikel wird der spezielle Einsatz des MBTIs aus der Erfahrung von Executive Coachings betrachtet, also den Einsatz des MBTIs in den obersten Etagen des Unternehmensmanagements. 

Executive Coaching stellte in elementares Instrument dar, um in den obersten Führungsetagen der Unternehmen nachhaltig Veränderung und Entwicklung zu erreichen. Im Gegensatz zum mittleren oder unteren Management ist die Zeitknappheit noch größer, d.h. die Vorstände und Geschäftsführer sind weniger bereit, ihre Zeit für klassische Führungstrainings zu investieren. Dahinter verborgen ist häufig auch die mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit der Weiterentwicklung bzw. eine mangelnde Offenheit in Bezug auf Problemstellungen und anstehende Herausforderungen innerhalb einer Seminargruppe. Executive Coaching stellt hier eine maßgeschneiderte, individuell flexibel angepasste Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung dar. Die Bandbreite innerhalb des Executive Coachings kann je nach Auftrag und Coachee vom sehr persönlichen Personal-Coaching über eher klassischen Business-Coachings hin zum Einzel-Training reichen. Dies hängt von den Zielen der beteiligten Parteien ab, also vom Auftrag gebenden Unternehmen, dem Coachee, dem Coach und der Herausforderung ab. Der Charme des MBTIs (auf den an dieser Stelle nicht vertieft eingegangen wird, da dieser beim Leser dieser Fachzeitschrift als bekannt vorausgesetzt werden kann) als grundlegendes Instrument für alle Bereiche bewährt. 

Häufig sind hochdotierte Manager in Schlüsselpositionen dort über ihre Fach- und Methodenkompetenz hingekommen. In vielen Unternehmen wird nach wie vor auf Grund der aktuellen Leistung auf der aktuellen Hierarchieebene und der dort erzielten Erfolge befördert. Selten wird analysiert, welches Kompetenz-Set der Mitarbeiter auf der zukünftigen Ebene benötigt. Und so kommen zunehmend mehr Führungskräfte in Entscheiderpositionen bei denen sie sich unsicher fühlen und um Rat dankbar sind. Je höher die Führungskräfte steigen, desto dünner und politischer wird in etlichen Unternehmen die Luft, was zur Folge hat, dass sich im Unternehmen selten Rat eingeholt wird und im klassischen Training oft die wirklich brennenden Fragen eher zurückgehalten werden. In eins-zu-eins Situationen mit dem Coach, zu dem schnell eine enge und vertraute Coachingbeziehung entstehen kann, ist mehr Raum für Vertrauensaufbau und Offenheit. 

In zahlreichen Executive Coachings in unterschiedlichen Branchen habe ich die gute Erfahrung gemacht, dass der MBTI als Instrument der Persönlichkeitsentwicklung als guter Einstieg in die Zusammenarbeit zwischen Coach und Coachee darstellt. Der Coachee erkennt schnell den Mehrwert in der Zusammenarbeit und der damit verbundenen Zeitinvestition, der Coach hat eine effiziente Einstiegsmethode, um den Coachee schneller und besser zu verstehen. Gerade im Selbst-Validierungsprozess und dem Dialog über die einzelnen Polaritäten und deren Auswirkung auf die Tagesgeschäfte und Handlungen im Unternehmen bieten ein Füllhorn an Anknüpfungspunkten und Erklärungsmustern. Selbst klassische Hardliner und eher den soften Themen abgeneigte Manager erkennen schnell den Mehrwert an diesem Instrument, erkennen sich selbst und natürlich auch schnell andere Menschen aus ihrem Arbeits- und Privatumfeld. 

Die vier Ecken des MBTI-Feldes

Im Executive Level der Unternehmen sind sehr häufig die Profile ESTJ, ISTJ, ENTJ, INTJ anzutreffen, also Kombinationen aus strategisch logisch entscheidenden Managern, die gerne ergebnisorientiert und in klaren Kategorien denken und sich verhalten. Diese Manager entscheiden tendenziell rational und halten ihre Ansichten und Entscheidungen auch für konsequent und logisch folgerichtig. Dies kann mittels des MBTI hervorragend reflektiert und analysiert werden. 

Aber auch alle anderen MBTI-Profile im Executive Coaching sehen ein großes Plus in diesem Tool, da sie nicht nur sich selbst und die daraus abgeleiteten Präferenzen und Verhaltensweisen erkennen, sondern auch ihre Umwelt. Als weitere Anknüpfungspunkte ergeben sich aus dem MBTI als grundlegendes Tool für folgende Bereiche oder folgende Kombinationen: Die klassische Führungskräfteentwicklung, Teambuilding-Aspekte, das Z-Modell zur Problemlösung oder der Charakter Index of Organizations, also dem Unternehmens-MBTI (nach Wiliam Bridges) als Tool zur Organisationsentwicklung. 

Der MBTI zur Persönlichkeitsentwicklung im Executive Coaching

Sehr gute Erfahrungswerte gibt es zahlreiche zum MBTI für die Persönlichkeitsentwicklung, wofür er in letzter Konsequenz und in Bezug auf Jungs Begriff der Individuation entwickelt wurde. Je nach Veranlagung und teilweise abhängig von den Erfahrungen der Executives sind diese für den Begriff der Persönlichkeitsnetwicklung offen, andere sind zwar daran interessiert – man darf das Kind manches mal nicht beim Namen nennen und eher über Umwege zum eigentlichen Kern des Coachings zu kommen. Dazu dienen hervorragend die nachfolgend beschriebenen Wege, die sehr pragmatisch und handlungsorientiert sind und ein weniger ‚softes Mäntelchen‘ anhaben. Gerade die Persönlichkeitsentwicklung ist bei Executive Managern häufig ein weites Entwicklungsfeld, da die Anforderungen an die Chef-Etagen in den letzten Jahren durch Globalisierung, Analysten-Druck und steigende Komplexität des Tagesgeschäfts mit immer kürzer werdenden Veränderungszyklen massiv gestiegen sind. Bisherige Verhaltensweisen reichen oft nicht mehr aus, die politische Wirkungsweise im Unternehmen wird wichtiger und daher bedürfen die Persönlichkeiten der Entwicklung. 

MBTI als Führungscoachingtool

Häufig ist der Einstieg bei Top-Managern ins Executive Coaching eine gefühlte Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation, teilweise wird es auch von den Experten aus dem Personalbereich empfohlen oder es ist in manchen Unternehmen auch schlicht weg schick, sich coachen zu lassen. Den MBTI als Führungscoachintool zu nutzen liegt auf der Hand, weil zahlreiche Fälle und Problemstellungen greifbar und diskutierbar sind. 

So konnte beispielsweise in Geschäftsführer einer sehr geradlinig getakteten Unternehmenseinheit mit dem Profil eines ISTJ mit jeweils sehr hohen Präferenzwerten für die Sensibilisierung der anderen Polaritäten gewonnen werden. Vor allem verstand er nach den Erkenntnissen aus dem MBTI-Coaching die vermeintlichen Wirkungsweisen seiner Verhaltensweisen und Aussagen bei den Mitarbeitern. Interessanter Weise sind die überwiegende Mehrheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eher in den MBTI-Typologien ENFP, ESFP, INFP, ISFP anzutreffen. Sein Führungsstil, der sehr rational, dezidiert und recht ultimativ war kam entsprechend hart, absolut und autoritär bei den Mitarbeitern an. Die Zusammenarbeit wurde reflektiert, mit positiven und negativen Erfahrungen abgeglichen. Der Coachee hatte durch den MBTI plötzlich einen neuen Blick, wie er es nannte auf die Arbeitskonstellation. Er entwickelte Verständnis für die anderen Meinungen und Herangehensweisen, erkannte Vorteile in den Eigenheiten der anderen Typen und deren Abgrenzung mit den eigenen Verhaltensweisen. 

MBTI als Instrument zur Teamentwicklung

Die Teamkonstellationen (z.B. das Teamwheel und die Temperamententafel) sind geeignete Instrumente um die Unterschiedlichkeiten der Teammitglieder zu verstehen und die Präferenzen und Ausprägungen gerade im Top-Management zu verstehen und optimal einzusetzen. In Geschäftsleitungsrunden entsteht dadurch mehr Transparenz und Verständnis für Verhaltensweisen. In Hierarchieebenen, in denen die politische Luft recht dünn wird, kann ein gut moderierter Coachingprozess oder Workshop große Veränderungen und Verbesserungen erzielen. So erkannte ein internationales Managementteam, welches auf drei verschiedenen Kontinenten beheimatet war, die Probleme der Zusammenarbeit und Kommunikation. Die bildhaften Darstellungen und pragmatischen Übungen erschlossen im Team-Coaching auf Executive-Level die Offenheit und Akzeptanz der Unterschiedlichkeit. In Managementteams sind durch die unterschiedlichen Funktionsbereiche natürlich sehr unterschiedliche Typen vereint – nicht nur aus der Perspektive des MBTIs. Der MBTI schafft hier eine gemeinsame Sprachwelt. 

MBTI zur Erweiterung der Problemlösekompetenz

Das Z-Modell ist ein in MBTI-Kreisen weit verbreitetes Instrument für die Problemlösung. Executive Manager sind durch Ihre langjährige Erfahrung und Verhaltensweise in der Hierarchie aufgestiegen. Einige von Ihnen aber in einer regelrecht mechanischen Unternehmenswelt. Die heutige Geschäftswelt ist in den meisten Unternehmen geprägt von komplexen – sich schnell wandelnden Herausforderungen – gern moving target genannt. Umso wichtiger ist es, dass die Executive Manager sich im Klaren sind, dass es außerhalb ihrer präferierten Wahrnehmung und Entscheidung noch andere Möglichkeiten mit großen Chancen gibt. In den Coachings lassen sich aktuelle Fragestellungen des Coachees mit dem Z-Modell bearbeiten, so lernt er nicht nur die Vorteile des Modells kennen, sondern nutzt gleichzeitig die Zeit und den Austausch, um sein Tagesgeschäft weiter zu bringen und Lösungsansätze zu finden. 

Der MBTI als Tool zur Unternehmensentwicklung

Das von William Bridges entwickelte Modell des Charakterindex of Organizations (CIO) bildet den MBTI auf Organisationen ab. Nachdem die Executive Manager den MBTI kennen und schätzen gelernt haben, ermöglicht der CIO den Coachees das eigene Unternehmen, Kunden oder Lieferanten mit dem Unternehmens-MBTI zu betrachten und zu verstehen. Diese pragmatische Sprachwelt gibt selbst den Managern, die wenig Zugang zur Organisationsentwicklung haben, die Chance die Augen für die Besonderheiten und Eigenarten der Organisation zu öffnen. Sie erkennen die Präferenzen und Verhaltensweisen des Unternehmens und deren Passung zur Lebenswelt der Kunden. Daraus abgeleitete Maßnahmen ermöglichen den Executives ihr Unternehmen in einer weiteren Dimension zu entwickeln. Der Coach steuert diesen Prozess durch ausgefeilte Fragen zur Kultur, Strategie und den Unternehmenswerten und wie sich diese in der Praxis erlebbar machen lassen. Hierzu ist es dienlich, wenn der Coach über entsprechende Kompetenzen in der Unternehmensführung und Organisationsentwicklung besitzt. 

Fazit und Empfehlung für das Executive Coaching mit dem MBTI

Der MBTI bietet durch seine verschiedenen Spielformen neben der Fundiertheit ein ausgezeichnetes und erprobtes Tool zum Coaching – speziell im Executive Bereich. Um im Executive Coachings Akzeptanz zu erreichen und erfolgreich arbeiten zu können sind neben den profunden Erfahrungen und Kenntnissen im Coaching und des MBTIs vor allem auch Seniorität und Unternehmertum als Erfolgsfaktoren zu bezeichnen. Das entsprechende Coaching-Fingerspitzengefühl kann dann den MBTI als wertschöpfendes Tool maßgeschneidert einsetzen und zum Erfolg des Coachees nutzen. 

Haben Sie Fragen zum MBTI oder zum Coaching auf Executive-Level, dann kontaktieren Sie mich gerne unter www.axiocon.de

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